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Die Zelttoilette

Bildschirmfoto von TV-Sendung über erstaunliche Erdbebenvorsorge

Bildschirmfoto von TV-Sendung über erstaunliche Erdbebenvorsorge

Das nächste Erdbeben in Tokio kommt bestimmt. Die Seismologen können nicht genau sagen, was das Superbeben vor der Küste von Tohoku für einen Einfluss auf das Risiko für die Haupstadtregion hatte. Doch tendenziell meinen die Experten: Schwere Erschütterungen sind nun noch wahrscheinlicher – weil die tektonischen Platten nun gewissermaßen schon locker geschüttelt sind.

Japan bereitet sich vor – und macht sich Mut. Besondere Aufmerksamkeit gilt nun all den Anlagen in Tokios geheimnisvollem Untergrund, die beim Überwinden der ersten Tage nach der Minute X helfen sollen.

Die örtlichen Fernsehsender bringen derzeit besondes viele Beiträge zur Erdbebenvorbereitung. Zwar ist seit Jahrzehnten in jährlichen Drills eingespielt, sie sich die Leute verhalten sollen. Doch das Interesse ist nach der Katastrophe von Tohoku besonders groß.

Tokio versichert sich derzeit auch seiner guten Vorbereitungen. Japan hat enorm viel in die relative Sicherheit seiner schönen Hauptstadt investiert. Es gibt riesige Tunnel, die das Wasser eines Tsunami ableiten sollen. Telefon- und Gasleitungen liegen in besonders leicht zugänglichen Röhren, um sie schnell wieder verbinden zu können. Der Boden der Plätze von einigen der Wolkenkratzer besteht aus federnd gelagerten Stahlplatten, damit der vorgesehene Notsammelplatz nicht einstürzt – schließlich ist ganz Tokio untergraben mit Shopping-Malls, Restaurantparadiesen, Parkplätzen und U-Bahnhöfen.

Und Japan wäre nicht Japan, wenn es nicht haufenweise lustiger und findiger Ideen auf die Frage der Erdbebenvorsorge angewendet hätte.

Da ist etwa der Park im Stadtteil Nerima, dessen eine Ecke sich in eine riesige Feldtoilette verwandeln lässt. Im Gras befinden rundliche Klappen im Abstand von einigen Metern, die direkt in ein Kanalisationsrohr führen. Im Notfallschuppen am Rand des Parks sind genauso viele mannshohe Zelte mit einer verschließbaren Klappe vorrätig. Nach dem Beben werden die Helfer je ein Zelt über einem Loch errichten – und die Hygiene ist sichergestellt. So lautet zumindest der Plan.

Die Sockel von Bänken in der Picknick-Ecke des Parks sind in Wirklichkeit Grills. Kohle ist selbstverständlich im Notfallschuppen eingelagert, genauso wie Töpfe und Reis.

Auch Wasser dürfte hier in Nerima kein Problem sein. Unter dem nächsten Park befindet sich ohnehin eine Zisterne. Im Notfall kann die Feuerwehr sie direkt anzapfen und über über schnell aufgestellte Hähne an die Bevölkerung Wasserrationen ausgeben.

Das kleine Problem: Diese einfallsreiche Erdbebenvorsorge gilt nicht flächendeckend. Wer zufällig neben dem Park wohnt, kann dann hier seine Notdurft verrichten und ist mit frisch gekochtem Reis versorgt. In Tokios dicht besiedelter Innenstadt dürfte die Lage ohnehin viel schwieriger sein als hier etwas auswärts in Nerima.

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