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Falsche Vorstellungen

Teile meiner Notfallkiste

Teile meiner Notfallkiste

Warum habe ich in Tokio noch gedacht, diese Region liege in Trümmern? Bevor ich nach Tohoku gekommen bin, hatte ich völlig falsche Vorstellungen von der Lage hier. Ich habe einen Kollegen gefragt, ob in der Umgebung von Sendai denn überhaupt Hotels geöffnet sind. Und ich habe eine Kiste voller Lebensmittel schon in Tokio gekauft. Davon wollte ich mich ernähren, wenn ich wegen weiterer Nachbeben von jeder Versorgung abgeschnitten sein sollte.

Den Einkauf habe ich in Tokio gemacht, weil ich den armen Leuten hier oben in Tohoku das kostbare Essen nicht wegnehmen wollte. Nun, in Wahrheit haben hier sämtliche Supermärkte und Shopping-Malls geöffnet. Schon in Fukushima lag einer dieser riesigen, mehrstöckigen Allesmärkte direkt meinem Hotel gegenüber. Es war ein Itô-Yôkadô und damit dieselbe Kette, zu der ich in Tokio gegangen war.

Der Großsupermarkt Itô Yôkadô in Fukushima - am frühen Morgen

Der Großsupermarkt Itô Yôkadô in Fukushima - am frühen Morgen

Die Hotels in der stark betroffenen Stadt haben größtenteils wieder geöffnet, ebenso sämtliche Restaurants und Bars. Die Leute gehen abends ganz normal aus und trinken und lachen.

Auch am Stadtrand von Sendai und südlich in Richtung der Städte Natori und Iwanuma laufen die Geschäfte wie immer, obwohl der Tsunami stellenweise bis auf wenige Meter an die Hauptstraße herangekommen ist. Das Fließband-Sushi und das Schuhparadies, der Reifenmann und der Gebrauchtwagenhändler – alle offen. Der Gebrauchtwagenmann berichtet von glänzenen Geschäften, weil die Leute sich schnell etwas Fahrbares als Ersatz für ihr weggeschwemmtes Auto suchen.

Ein britischer Kollege, der im April lange im Katastrophengebiet unterwegs war, hatte mir zudem geraten, eigenes Benzin mitzunehmen. „Die Retter brauchen jeden Tropfen, um ihre Bagger und Lastwagen zu betreiben.“ Nun, als ich in Sendai eine Tankstelle anfuhr, fragte ich erst schüchtern: „Soll ich besser nur die nötigsten zehn Liter nehmen und woanders volltanken?“ – „Um Himmels Willen, nein“, sagte der Tankwart. „Wir sind hier froh, wieder Benzin verkaufen zu können. Ich mache ihren Tank dann also voll.“

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