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Wieder in Japan

Autobahnausfahrt zum verseuchtesten Ort außerhalb der Katastrophenzone.

Autobahnausfahrt zum verseuchtesten Ort außerhalb der Katastrophenzone.

Mein Abschied Ende März war etwas vorläufiger, als ich dachte. Im Auftrag der Redaktion bin ich wieder in Japan unterwegs. Mit einem Mietwagen fahre ich nun doch noch durch das Katstrophengebiet. Regelmäßig jagt mir der Radiosprecher dabei einen Schrecken ein. Vorhin begann die Nachrichtensendung auf dem NHK-Verkehrskanal mit den Worten: “Am Block 1 des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi…”

Die Sendung fing nur wenige Sekunden an, nachdem ich gerade dachte: “Jetzt müsste ich mal wieder auf der Höhe des Atommeilers sein.” Ich war allerdings im sicheren Landesinneren auf der Autobahn unterwegs, nicht an der Küste.

Doch wegen der etwas nervösen Grundstimmung, auch infolge der ständigen Nachbeben, befürchtete ich immer eine Radionachricht wie: “Am Kraftwerk Fukushima hat sich erneut eine heftige Explosion ereignet, die diesmal mehrere Tonnen Radionuklide in die Luft geschleudert hat. Auch im Inland steigt die Strahlenbelastung bereits stark an…” Und danach eine Reihe von Zahlen wie “sieben Zillionen Sievert” und “huntert Phatastillionen Becquerel”.

Doch, nein, natürlich fuhr der Sprecher in Wirklichkeit ganz anders fort.

“Am Block 1 des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi ist es den Betriebsmannschaften gelungen, die Luft im Inneren des Reaktorgebäudes weitgehend von radioaktiven Partikeln zu befreien. Damit ist es nun möglich, eine Luftschleuse zur Außenwelt zu öffnen, ohne die Umwelt zu gefähren. Noch im Laufe des häutigen Tages werden Wartungstechniker das Gebäude betreten und mit Reparaturarbeiten beginnen. Dies gilt als wichtiger Schritt zur Installation eines stabilen Kühlsystems.”

Erleichtert nahm ich einen Schluck grünen Tee aus der Flasche in meinem Getränkehalter.

Doch gegen Ende der Sendung gelang es dem Mann schon wieder, mich zu beunruhigen. “Der Streit um radioaktiv kontaminierte Schulgebäude geht weiter. Bei Messungen an Grund- und Mittelschulen in der Region Tohoku hatten sich zuvor Strahlmesswerte gezeigt, die Kindern nach Ansicht von Experten nicht zuzumuten ist. Insbesondere eine Grundschule in der Stadt Koriyama gilt als schwer belastet. Die zuständigen Behörden halten eine kurzfristige Verlegung jedoch nicht für praktikabel.”

Autobahnschild von KoriyamaGenau zehn Minuten später fuhr ich an der Ausfahrt Koriyama vorbei und nahm wieder einen Schluck grünen Tee, diesmal gegen den trockenen Mund. Aber immerhin: Für Erwachsene scheinen die gemessenen Werte unbedenklich zu sein.

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