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Jagd nach der Theaterkarte

Das Gebäude des Pekinger Nationaltheaters bei Nacht.

Das Gebäude des Pekinger Nationaltheaters bei Nacht.

Meine Chinesische Bekannte Wang Xiaomei schlug neulich spontan vor, abends beim Nationaltheater vorbeizuschauen und zu versuchen, eine Eintrittskarte zu ergattern. Der Auftritt einer internationalen Tanztruppe war zwar komplett ausverkauft, „aber da stehen immer Typen vor, die Eintrittskarten zu verkaufen haben“, wusste Xiaomei. Was wir da noch nicht wussten: Diese Typen gehören einem dicht geknüpften Karten-Kartell an.

Ins Nationaltheater wollte ich schon immer mal. Es handelt sich dabei um einen auffälligen Bau ganz in der Nähe des Tiananmen-Platzes, eine geheimnisvolle Glaskuppel, die nachts von innen leuchtet wie ein Ufo aus einem Film.

Der Zugang liegt unterirdisch. Wang Xiaomei lief nun durch die Menge und wisperte immer: „Verkaufst Du Karten? Verkaufst Du Karten?“ Wenn Polizisten in der Nähe waren, verstummte sie, denn Schwarzhandel mit Eintrittskarten ist in China verboten (glaube ich). In Xiaomeis Schlepptau kam ich mir vor, als sei ich als Normalbürger plötzlich in Drogengeschäfte verwickelt.

Ins Theater kamen wir an diesem Abend allerdings nicht mehr. Es fanden sich tatsächlich allerlei Leute, die noch Eintrittskarten anboten. Doch sie sollten immer mehr als hundert Euro kosten. Außerdem konnte keiner die Ware konkret vorzeigen. „Wir holen sie von hinten, wenn Du wirklich Interesse hast“, wisperten die Geschäftemacher jedes Mal.

Wang Xiaomei bekam dann nach und nach heraus, dass die Schwarzhändler alle unter einer Decke stecken. Sie bieten alle dieselben Karten an. Deshalb erfüllte sich unsere Hoffnung auch nicht, dass die Preise nach Beginn der Vorstellung fallen, weil die Ware damit ja entwertet wäre.

Immerhin erzählten uns Freunde hinterher, dass die groß angekündigte Tanzperformance eher enttäuschend ausfiel.

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