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Die geklonte Nase

Bei der Präsentation neuer Technologie in einem ostasiatischen Großunternehmen raunt mir plötzliche eine Kollegin aus Hong Kong etwas ins Ohr. Ich glaube erst, nicht richtig gehört zu haben. Doch dann zischt sie es noch einmal deutlicher: “Die Nase ist falsch, die ist aus dem Katalog.” Dann sah ich es selbst.Die junge Frau, die vor der Gruppe von Journalisten salbungsvolle Worte über die Flachfernseher der neuesten Generation absonderte, hatte keine asiatische Nase mehr. In ihrem Gesicht steckte völlig unpassend eine europäisch geformtes und eigentlich etwas zu groß geformtes Riechorgan. Sie hatte sich offenbar operieren lassen.

Die Tour ging von Gerät zu Gerät weiter, und zu jeder technischen Errungenschaft sagte die Trägerin der gefälschten Nase “…und dadurch wird das Leben der Menschen besser”, als ob ein neuer Fernseher etwas an der Lebensqualität ändere. Aber das nur am Rande.

“Warum tun die das?”, fragte ich die Kollegin aus Hong Kong.
“Die glauben, es sieht schöner aus”, wisperte diese zurück.
“Aber die Nasen asiatischer Frauen sind doch viel niedlicher!”, sagte ich. Sie schaute dankbar zu mir auf. Die junge Journalistin selbst hatte eine typisch platte Nase.

Wir zogen von den Fernseher zu den Handys weiter, wo uns die PR-Frau an eine Kollegin übergab.

Meine Kollegin aus Hong Kong stubste mich kurz darauf noch einmal an.  “Die andere war beim gleichen Chirurgen”, teilte sie mir diesmal mit.

Es stimmte. Das zweite PR-Mädchen hatte genau die gleiche Nase.

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