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Die geizige Vermieterin

Während ich in Japan zu Fukushima recherchiert habe, ist in Peking mein Mietvertrag ausgelaufen (diese Verträge laufen hier nur jeweils ein Jahr). Meine Vermieterin hat daraufhin zwei Dinge getan: 1. gedroht, mich sofort rauszuschmeißen und bei dieser Gelegenheit 2. die Miete um 150 Euro erhöht. Gestern kam es dann zum Krisentreffen mit der Maklerfirma und der Wohnungsbesitzern – bei dem ich anscheinend interkulturell gescheitert bin.

Zuvor hatte ich mich bei allen möglichen Leuten  erkundigt, was in China üblich ist. Mein halb chinesischer, halb deutscher Freund Clemens (ein absoluter Experte in interkulturellen Fragen) erklärte mir, dass ich Mietangelegenheiten hier keinesfalls nach deutschen Maßstäben messen soll. “Beide Seiten versuchen hier jedes Mittel, um ein besseres Geschäft abzuschließen. Das ist so eine Art spiel”, sagte Clemens.

Weil hier jedes Mittel recht ist, warnten mich alle davor, die Forderung der Vermieterin zu schnell zu akzeptieren. Klar ist aber auch: In China ist die Inflation hoch, um Mieterhöhungen kommen wir hier nicht herum.

Ich traf gestern die Besitzerin der Wohnung also zusammen mit meiner Assistentin Liang Fei, die für uns übersetzte. Eine Vertreterin der Maklerfirma war auch da, aber das Mädchen hatte bei dieser Zusammenkunft von Erwachsenen nur wenig zu sagen.

Die Vermieterin beschwor eine Weile lang meine offensichtliche Unzuverlässigkeit als Mieter — dass ich einfach nach Japan abgehauen sei, ohne mich um die Verlängerun des Vertrags zu kümmern. Dann ließ sie den absoluten Hammer los: Sie erhöhte ihre Mietforderung spontan erneut um umgerechnet rund 50 Euro.

Das Gespräch wurde daraufhin etwas unerquickling, und ich entschied, dass dieses Mietverhältnis keinen Sinn mehr habe. “Geben Sie mir noch drei Wochen Zeit, und ich bin ausgezogen und Sie sind mich los”, ließ ich der Vermieterin mitteilten.

Damit bin ich jetzt auf Wohnungssuche. “Das hast Du nicht richtig gemacht”, sagte mir Clemens, als er vom Scheitern meiner Vertragsverlängerung hörte. “Du hättest in der Sache noch länger hart bleiben müssen, aber nicht gleich aufgeben dürfen. Das wäre chinesisch gewesen.”

Mag sein – ich hoffe aber trotzdem, eine bessere oder billigere Wohnung zu finden — und einen netteren Vermieter dazu.

Comments (3)

postmikasApril 4th, 2011 at 00:32

Aha.., hatte durch Deinen Text ein Lernerlebnis. Verstehe nun einen anderen Zusammenhang besser der mit der Miete des Hauses in dem wir bald wohnen werden zu tun hat.

OliverJune 6th, 2011 at 08:38

Ein Klassiker! Ich hatte bei meinen Wohnungen jeweils Glück und konnte sogar in einem Fall eine leichte Reduktion aushandeln. Wie das geht? Ganz einfach: Ich habe mich vor dem Verlängerungstermin mit dem Vermieter kurzgeschlossen. Wir haben uns entschieden, dass ich den nächsten Vertrag direkt mit ihm mache und nicht mehr über eine Vermittlerfirma, so dass er nicht mehr jeden Monat eine Provision abführen musste. Diesen Vorteil haben wir uns dann geteilt.

Das Lustige war, dass ich bei der “Wohnungsrückgabe” ja überhaupt nicht gepackt habe. Der clevere Vermieter bestand deswegen darauf, dass er die Wohnung ganz alleine abnimmt – und dafür brauchte er etwa eine Stunde mit zahlreichen Ausreden. Ehrlich gesagt, glaube ich, dass die Sachbearbeiterin bei der Maklerfirma schon wusste, worum es tatsächlich ging. Aber dass ihr das ganz einfach total egal war.

FinnJune 28th, 2011 at 07:07

@Oliver: Eigentlich sind diese Makler ja in der Tat ziemlich nützlich. Sie holen die Vermieter auf den Boden zurück, wenn sie mal wieder seltsame Vorstellungen haben, und kennen sich mit diesen ganzen Sachen aus wie: Gaszähler ablesen lassen oder Stromgeld ausrechnen. Eigentlich braucht man hier einen fairen Vermieter und einen ehrlichen Makler, dann wohnt es sich vergleichsweise leicht.

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