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Weiter angeln am Meiler

Heute habe ich Yusuke wiedergetroffen, einen alten Freund, der als Lieferfahrer arbeitet. Yusuke ist nicht so der extrem intellektuelle Typ und eher praktisch veranlagt. Er informiert sich nicht so sehr aus der Zeitung oder den Websites von Qualitätsmedien, sondern eher im Fernsehen und Kurzmeldungen im Handy. Ein echter Durchschnittsjapaner also, anders als viele der Leute, mit denen Ausländer sonst in Kontakt kommen. Ich also gespannt zu hören, was er nun über die Kernkraft denkt.
Yusuke fotografiert bei unserem Treffen gleich den schönen Kaffee (sehr japanisch).

Yusuke fotografiert bei unserem Treffen gleich den schönen Kaffee (sehr japanisch).

Ob er denke, dass Japan jetzt alle Atommeiler abschalten sollte? Nein, das denke er nicht, sagt Yusuke. Schließlich bestehe auch bei dem Unfall in Fukushima nur für die unmittelbare Umgebung einige Kilometer um das Kraftwerk Gefahr.

Ob er weiterhin neben Kernkraftwerken angeln gehen wird, wie wir das von 15 Jahren mal gemacht haben? Klar, warum nicht, sagt er – solange kein Unfall passiere, drohe keine Gefahr.

Der Meiler und das Meer am 25. März 2011 (Bildschirmfoto)

Der Meiler und das Meer am 25. März 2011 (Bildschirmfoto)

Die sind echt gelassen, die Japaner. Tatsächlich wirkt auf Yukusuke hier aber auch der besondere Kommunikationsstil der japanischen Medien. Die Tageszeitungen wie die Yomiuri und die Mainichi berichten ausführlich und kritisch über die Krise und ihre Hintergründe.

Die Fernsehjournalisten denken dagegen auch an ihre Verantwortung für die Ruhe und Ordnung im Land. (Damit verhält es sich umgekehrt zu Deutschland.) Sie stellen die Fakten rund um das havarierte Kernkraftwerk Fukushima Daiichi betont gelassen dar. Es kommen ausführlich Experten zu Wort kommen, die betonen: Für die Gesundheit bestehe keine Gefahr.

Also glaubt auch Yusuke, dass der Kraftwerksunfall zwar extrem schlimm ist, aber noch kein Grund, alle Meiler abzuschalten. „Irgendwo muss der Strom ja herkommen“, sagt er.

Jetzt weiß ich genau, woran er denkt. Jetzt im Frühjahr liegt der Energieverbrauch in Tokio ohnehin am niedrigsten. Er steigt zwischen Juni und September steil an, weil alle dann ihre Klimaanlagen anschalten. Eine Temperatur von 38 Grad plus enorm hohe Luftfeuchtigkeit lässt sich tatsächlich nicht anders ertragen.

Meine Vermutung ist also: In Japan wird sich keine große Bewegung gegen die Atomkraft formieren.

Comments (1)

NiklasMarch 31st, 2011 at 21:25

Wenn die Japaner wirklich viele andere Möglichkeiten hätten aber auf den Inseln sind ja die natürlichen Rohstoffe vor vielen Jahren verbraucht worden. Aber Japan braucht eine grüne Bewegung. Atomenergie kann dort leider wirklich nur durch erneuerbare Quellen ersetzt werden und es braucht Motivation da weiter zu forschen.

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