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Kraftwerksarbeiter erhalten nur Notrationen

Fukushima-Betreiber Tepco hat erstmals Details dazu veröffentlicht, unter welchen Bedingungen die Einsatzkräfte an dem Meiler arbeiten. Die Männer erhalten nur das Allernötigste.

Der derzeit vermutlich schlechteste Job der Welt ist noch schlechter, als die Öffentlichkeit sich ihn vorgestellt hat. „Was jetzt bekannt wurde, zeigt die extrem hohe Belastung, der diese Menschen ausgesetzt sind“, sagt Takaki Naoyuki, Professor für Reaktorforschung an der Tôkai-Universität.

Trotz der Allgegenwart von radioaktiv verseuchtem Wasser gibt es für die Arbeiter nicht genug Duschen – sie reiben sich im Allgemeinen nur kurz mit Alkoholtüchern ab, wie Kraftwrksbetreiber Tokyo Electric Power (Tepco) am Dienstag zugab.

Mitarbeiter von Tepco prüfen Daten im Kontrollraum der Blöcke eins und zwei.

Mitarbeiter von Tepco prüfen Daten im Kontrollraum der Blöcke eins und zwei.

Immerhin erhalten die Arbeiter eine Entschädigung von 400 000 Yen pro Tag, das sind etwa 3500 Euro. Doch was nützt ihnen das, wenn ihre Gesundheit ruiniert ist?

Tepco, die Feuerwehr und die Armee rotieren ihre Einsatzkräfte zwar nur zu begrenzten Aufenthalten in die heiße Zone hinein, doch dort sind die Arbeitsbedingungen dann wirklich kläglich. Seit vergangener Woche ist bekannt, dass die Strahlenschutzanzüge nicht ausreichen. Arbeiter mussten ohne Gummistiefel in einen Raum, der mit stark kontaminiertem Wasser überflutet ist.

Zu essen gibt es morgens einen Keks und eine Packung Fruchtsaft, abends eine abgepackte Notration – nicht mehr als zwei Mahlzeiten pro Tag.

Es ist auch gar keine Zeit für mehr Mahlzeiten. Viele der Katastrophenkräfte arbeiten 23 Stunden am Tag und ruhen sich nur eine Stunde aus. Falls sie doch einmal schlafen, dann nicht in einem richtigen Bett: Die derzeit rund hundert Männer schlafen trotz der nächtlichen Kälte nur unter einer dünnen Decke. Sie liegen nachts durcheinander auf Matratzen.

Das Gebäude, in dem sie untergebracht sind, liegt nur wenige hundert Meter vom stark angeschlagenen Block eins des Katastrophenkraftwerks Fukushima Daiichi entfernt und damit in einer Zone, auf die ständig radioaktiv belasteter Dampf und Staubteilchen niedergehen.

Besondere Sorge machen in diesem Zusammenhang auch die jüngsten Plutoniumfunde auf dem Kraftwerksgelände. An mehreren Stellen hat Tepco bereits Ablagerungen des hochgiftigen und stark strahlenden Elements nachgewiesen. „Die Mengen sind zwar klein, aber Plutonium ist nicht ganz ungefährlich“, sagt Reaktorexperte Takagi. Für die Bevölkerung außerhalb der Evakuierungszone bestehe keine Gefahr, doch das Vorkommen des Elemtens verkompliziere die Lage am Kraftwerk zusätzlich.

Das Plutonium stamme vermutlich aus zerstörten Brennelementen des Kraftwerks, so Takagi. Es könne ein Spaltprodukt des normalen Kernbrennstoffs in den Blöcken eins, zwei und vier sein oder aus den Mischoxid-Brennelementen in Block drei stammen. Mischoxid enthält eine Beimischung von Plutonium als Brennstoff.

Es kommen mehrere Wege in Frage, auf denen das Plutonium in die Umwelt gelangt sei, so Takagi. Da Kühlwasser aus den Druckbehälten austrete, könne es aus den Reaktorkernen stammen. Es sei jedoch auch gut möglich, dass es aus den freiliegenden Abklingbecken im oberen Bereich der weitgehend zerstörten Gebäude stamme.

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