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Anti-Atom-Demo

Öffentliche Proteste sind in Japan vergleichsweise selten. Das war mir schon vor dem G8-Gipfel auf Hokkaido
aufgefallen. Die Demos gegen Globalisierung waren damals ziemlich klein und die Aktivisten zeigten kaum Selbstbewusstsein.
Daher war ich etwas erstaunt, dass am Sonntag hier in Tokio eine richtig lange Schlange von Demonstranten durch die Innenstadt gezogen ist. „Wir brauchen keine Atomkraftwerke!“ – „Wir brauchen Tepco nicht!“, skandierten die Bürger.
Ein Demonstrant zeigt seine Sorge wegen der nuklearen Gefahr.
Ein Demonstrant zeigt seine Sorge wegen der nuklearen Gefahr.

Weil der Demonstrationszug sich ziemlich lang hinzog, dachte ich erst, dass Japan da vielleicht erstmals einen richtig großen Protest hinbekommen hat. Doch eine schnelle Zählung ergab, dass sich auch diese Versammlung nicht mit den Anti-Atom-Veranstaltungen in Deutschland vergleich lässt. Ich schätze, dass 2000 Menschen da waren. Die schlange sah nur so lang aus, weil sie sich recht schmal am Rande der Ginza-Einkaufsstraßen entlangzog.

Tatsächlich waren es aber hier ganz normale Bürger, die für die Abschaltung von Kraftwerken auf die Straße gingen. Anders als in Deutschland war aber neminem Eindruck nahc eine Mehrheit gar nicht für den totalen Ausstieg, sondern für die Stilllegung einer Reihe von Risikomeilern.

Das Hauptinteresse gilt derzeit einem Kraftwerk in Hamaoka in Zentraljapan. Es steht direkt auf einer geologischen Verwerfung. Das bedeutet, es sind dort schwere Erdbeben möglich. Von der Bauweise her ist Hamaoka jedoch genauso wenig auf schwere Stöße und einen hohen Tsunami ausgerichtet wie Fukushima. Und wie Fukushima sind die Reaktoren alt. Ihre Sicherheitseinrichtungen befinden sich auf dem Stand von vorgestern.

„Wenn wir zu einem konkreten Protest gegen ein Gefahrenkraftwerk wie Hamaoka aufrufen, kommen mehr Leute“, sagt Aktivist Tetsuya Fuse, der die Veranstaltung mit organisiert hat. „Der totale Ausstieg ist für die meisten Japaner eine zu extreme Position.“ Schließlich will der im Sommer wieder seine Klimaanlage anstellen.

Comments (1)

lothar mertensApril 14th, 2011 at 23:52

hallo finn,
schön das ich deine seite gefunden habe. ich organisiere ein benefizkonzert
in wuppertal. der erlös soll zum einen an die “caritas japan”, die sozial benachteiligte opfer unterstützt gehen. den andere teil möchte ich einer anti akw initiative in japan
spenden. nur stehe ich vor einem problem: mir fehlen infos vor allem zu letztgenannten.
kannst du mir inis nennen, die vielleicht auch online erreichbar sind.
für die kontoverbindung(en), auch der caritas wäre ich echt dankbar.

ciao lothar

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