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Die vergessene Katastrophe

Die Leute in fernen Ländern vergessen es leicht: Die größere Katastrophe war in Japan immer noch der Tsunami. Die Flutwelle hat über 20.000 Menschen getötet. An den Folgen des Kraftwerksunfalls in Fukushima Daiichi ist bisher noch niemand gestorben.

An der Küste sind auf 400 Kilometern Länge alle Gebäude ausradiert.

An der Küste sind auf 400 Kilometern Länge alle Gebäude ausradiert.

Als Journalist leuchtet mir völlig ein, warum alle Aufmerksamkeit der Medien dem Kraftwerk gilt, und nicht dem großen Leid im Tsunami-Gebiet.

Erstens ist der Fukushima-GAU ein Drama, dass sich noch entwickelt, dessen Ausgang offen ist und das immer neue erschreckende Nachrichten hervorbringt. Der Tsunami selbst ist dagegen weg, während die Aufbauarbeiten ein langsam und mühsames Geschäft sind.

Zweitens ist der Tsunami weit weg, während Atomkraftwerke auch in anderen Ländern stehen. Was einen betrifft und betreffen könnte, interessiert einfach mehr.

Drittens ist der Umgang mit der Kernkraft gerade in Deutschland (aber auch in anderen Ländern wie den USA oder China) ein aktuelles politisches Thema. Die Redakteure in den Zentralredaktionen bevorzugen Themen, die diese zusätzliche Relevanz haben.

Trotzdem, liebe Öffentlichkeit, liebe Kollegen: Vergesst bitte die Menschen nicht, die frieren, die alles verloren haben, deren Angehörigen verschwunden sind.

Aus Deutschland erzählen mir Freunde, dass die Leute bereits von den vielen Opfern der Reaktorkatastrophe in Fukushima sprechen. Bisher war nur eine Gruppe von Menschen stark erhöhter Strahlung ausgesetzt: ein Dutzend der Arbeiter, die darum kämpfen, die Kühlsysteme des Meilers wieder flott zu machen.

Doch selbst für die drei Arbeiter, die Strahlenverbrennungen davongetragen haben, ist längst nicht alles verloren. Japanischen Ärzten zufolge haben sie gute Chancen, mit dem Schrecken davon zu kommen. Langfristig sind sie vermutlich einem erhöhten Krebsrisiko ausgesetzt, doch selbst das ist nicht sicher.

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