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Ikebana-Debakel

Die Stiftung eines Großunternehmens lud mich zu einem Ikebana-Kurs ein. Ich hatte diese Blumengestecke schon oft gesehen und glaubte zu wissen, was zu tun sei. Beim Ikebana stehen einige Blumen krumm beieinander, und drumherum stecken noch einige andere Stengel. Der Fall lag offensichtlich so ähnlich wie bei moderner Kunst im Museum. Eigentlich kann die Schmiererei jeder, man muss bloß steif und fest behaupten, es sei ein großes Werk.

Die Teilnehmer standen an Reihen von Tischen und erhielten jeder einen Block aus einem schaumstoffigen Material, in das sich die Blumen stecken ließen. Die Meisterin war eine feine, respekteinflößende kleine Dame in einem todschicken gelben Designerkleid, das ihr auch in  ihrem schon etwas fortgeschrittenen Alter gut stand. Die Augenbrauen waren zu dünnen Strichen gezupft, das graue Haar kurz geschnitten.

Es stellte sich bei der Vorbesprechung heraus, dass fast alle japanischen Teilnehmerinnen schon einmal Ikebana gemacht hatten – in der Schule oder an der Uni. Für die meinsten der Männer war es jedoch ein erstes Mal. Sie schauten etwas unsicher. Nur ich zwinkerte der Lehrerin selbstbewusst zu. Schließlich wusste ich, worum es ging.

Die Meisterin erklärte lange allerlei Prinzipien und Hokuspokus an ihrem eigenen Blumenkasten und steckte dabei ein Blumenkunstwerk, das mich dann doch etwas unsicher machte. Es war irgendwie ausbalanciert, hatte aber trotzdem Spannung. ‚Ach was’, dachte ich mir. ‚Das sieht man darin, wenn es bloß von der Großmeisterin einer Blumenschule kommt.’

Also steckte ich los, und das Ergebnis waren elende Pflanzenstengel, die ohne jeden Zusammenhalt durcheinanderstanden. Im Vergleich zu den Werken der erfahrenen Ikebana-Schülerinnen standen mein Kasten zum Schluss als häßliches Entlein auf dem Tisch. Nur einer der japanischen Männer hatte ein ähnlich armseliges Ergebnis vorzuweisen.

Die Großmeisterin sagte einige sehr höfliche und nette Worte zu uns beiden Verlierern, die aber einschlossen, dass wir uns ein anderes Hobby suchen sollten. Ich freundete mich mit dem Japaner an. Er hieß Takamura-san, arbeitete für eine japanische Zeitung und hatte gehofft, beim Ikebana eine tolle Frau kennen zu lernen. Wir gingen ein Bier trinken .

Comments (1)

Elisabeth WanzenböckAugust 28th, 2010 at 17:25

Einfach köstlich. Typisch japanisch. Hatte so ziemlich das gleiche Erlebnis nur statt bei Ikebana bei Kendo.

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