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Umweltfreundliche Klimaanlage

In Tokio gehen die Temperaturen hoch. In Büros, Geschäfte n und Wohnungen fahren die Klimaanlagen hoch – und reizen den Europäer zu der Frage, wie umweltfreundlich Japan wirklich ist. Die Nipponesen selbst halten sich für ein weltweites Vorbild. Sie vergleichen sich generell mit den zwei Polen ihren Weltbilds: mit China und den USA. Da die Japaner ihre Natur schützen und Firmen wie Toyota und Panasonic die meisten Patente für Energiespartechnik halten, schneiden sie in diesem Vergleich sensationell gut ab. Schließlich kippen die Chinesen giftigen Müll in Flüsse (oder in die Füllung von Teigtäschchen) und lassen Quecksilber ungefiltert abfließen.

Doch unter den Energiesparprodukten in Tokios Elektroläden finden sich massenhaft Klimaanlagen, die schlimmsten Stromverschwender. Zum Energiespargerät wurden sie nur, indem sie weniger verbrauchten als ihre Vorgänger. Normales Leben und Arbeiten ist im Tokioter Sommer ohne Kühlung tatsächlich kaum möglich. Bei 38 Grad und der enorm hohen Luftfeuchtigkeit hing ich schräg im Bürostuhl und hechelte dem Abend entgegen, als ich mal auf die Kühlung verzichten wollte. Von der U-Bahn über die unterirdischen Verbindungsgänge bis ins Büro bliesen einem Lüftungslöcher trocken-kalte Luft in den Nacken.

Seit 2005 taten die Japaner allerdings etwas dagegen. Und zwar, wie sich das gehört, straff organisiert. „Cool Biz“ hieß die Kampagne. Wenn wir uns in Tokio alle im Sommer leichter kleiden, brauchen wir auch weniger Kühlung, lautete der Gedanke. „Bei uns in der Firma trägt im Sommer kaum noch einer eine Krawatte“, sagte Kenji. Dafür werde es manchmal etwas warm. Die Anzughersteller reagierten und boten Jackets aus hauchdünnen Stoffen an.

Die Damen brauchten nun ihre Büro-Deckchen nicht mehr. Bisher hielten sie damit am eiskalt klimatisierten Arbeitsplatz ihre Beine warm. Denn eine schöne Mitarbeiterin trägt selbstverständlich einen Rock zum Kostüm. Während die Klimaanlage es früher für die Männer in voller Montur mit Anzug und Krawatte erträglich machte, kleideten sich die Offices Ladies sommerlich und froren.

In der neuen Öko-Zeitrechnung herrschte dagegen im Wirtschaftsministerium sommers eine dumpfige Atmosphäre. Es war 29 Grad warm und die Luft stand. Die Beamten hier konkurrierten mit dem Umweltministerium um Energiesparpolitik, deshalb zeigten sie so viel Ehrgeiz. Die Gänge lagen im schwülen Dunkel, denn Bewegungsmelder schalteten das Licht beim Vorbeigehen eher nur zufällig ein. In den Großraumbüros links und rechts saßen Staatsbeamte im kurzärmeligen Hemd zwischen ihren Papierstapeln und ließen Schweißtropfen auf offizielle Akten fallen.

Japan konnte sich also zurecht rühmen, mächtig Energie zu sparen – aber eben im Vergleich zu den verschwenderischen 80er-Jahren mit ihrer Totalklimatisierung.

Für den Schutz der Landschaft haben die Japaner dagegen keinen so riesigen Sinn. Sie legten wundervolle Gärten an. Doch einen Fluss, der romantisch von Bäumen umstanden durch eine Ebene mäandert, ertrugen sie nicht. Sie begradigten und richteten alles, was ihnen in den Weg kam. Als ich mich beim Mittagessen bei meinem alten Freund Kenji darüber beklagte, verwies er auf die japanische Kochkunst. „Die richtet auch alles so hübsch künstlich an, und da weißt du es zu schätzen.”

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