Google+ Peking Total » Blog Archive » Braucht der Kaiser solche Freunde?

Braucht der Kaiser solche Freunde?

Jede Kritik am Kaiserhaus treibt Japans Rechtsradikale mit ihren Lautsprecherwagen auf die Straße. Der australische Journalist Ben Hills bekam das zu spüten. Er hatte Tokioter Hörensagen zu einem Buch über das Kaiserhaus verarbeitet: „Prinzessin Masako. Gefangene das Chrysanthementhrons“. Das Kaiserhaus kam darin nicht immer gut weg. Hills erhielt E-Mails mit Sprüchen wie: „Stirb, du weißes Schwein!“ Die Japanische Regierung war sich nicht zu schade, auf die (tatsächlich sehr zahlreichen) Fehler in Hills Arbeit hinzuweisen.

Der Verleger der japanischen Übersetzung, Kodansha, gab daraufhin die Rechte an dem Text zurück. Ein kleinerer Verlag, Daisan-Shokan, griff begeistert zu. Verleger Akira Kitagawa hatte schon länger auf eine Chance gewartet, die Bekanntheit seines Unternehmens zu steigern. „Stoppt die Veröffentlichung von Prinzessin Masako!“, schrien sich nun die seriösen Herren vom rechten Rand nun vor seinem Büro durch ihre Lautsprecher in Rage.

Die Rechtsradikalen traten in Japan nicht als Neonazis auf, sondern als ulkige Ultrakonservative, deren Ideale in der Zeit der Shogune stehen geblieben waren. Die Damen und Herren trauerten Japans glorreicher Vergangenheit mit Samurai, Gottkaiser und Kamikaze nach. Sie wollten keine Rasse auslöschen oder dergleichen. Sie schlugen im Allgemeinen auch niemanden zusammen. Sie zeigten sogar ein Tadelloses Benehmen – vor allem gegenüber Deutschen.

„Es hat sich zwar eine Polizeieinheit eingefunden, aber die tut nichts“, berichtete Kitagawa von einer der Demos gegen seinen Verlag. Aber das Buch werde auf diese Weise immer bekannter und populärer, freute er sich.
Im Umgang mit dem Fall „Prinzessin Masako“ taten sich auch Japans große Medien schwer. Die linksliberale Asahi-Zeitung ging eigentlich eher mutig mit kontroversen Themen um, ihr Verlag lehnte jedoch eine Anzeige von Daisan-Shokan für das Buch ab. Die Asahi wolle sich an nichts beteiligen, das als mangelnder Respekt vor dem Kaiser gesehen werden könne. Das Blatt verlor ohnehin Auflage. Es konnte es sich nicht leisten, dass Abonennten aus der politischen Mitte wegliefen.

Die Ultrakonservativen konnten in Japan auch sonst ziemlichen Ärger machen. Sie zwangen bei anderer Gelegenheit einen Hotelier im Süden Tokios, 190 Reservierungen zu stornieren. Der japanische Lehrerverband wollte im „Grand Prince Hotel New Takanawa“ eine Tagung abhalten und hatte die Zimmer ein Dreivierteljahr vorher bestellt. Dieser Verband war jedoch aus Sicht der Radikalen ein Hort linken Gedankenguts. Die Rechten machten dem Hotel klar, dass während der gesamten Tagung Lautsprecherwagen vor dem Haus stehen würden. Auch nachts. Außerdem wollten sie Zugangswege blockieren.

Als das Management das hörte, knickte es ein und empfahl den Pädagogen, sich eine andere Unterkunft zu suchen. Die Lehrer verklagten das Hotel und beriefen sich auf das japanische Gaststättengesetz. Es verbot Hotels, Gäste abzuweisen. Als  Ausnahmen waren nur Terrorgefahr und ansteckende Krankheiten erhielt. Der Verband erhielt recht und das Hotel zahlte eine saftige Strafe. Wohnen durften die Lehrer dort trotzdem nicht.

Los, schreib' einen Kommentar!

Dein Kommentar