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„Nigger! Hände weg vom Hintern der Japanerinnen!“

Das Bild der Fremden ist in Japan insgesamt ganz schön verzerrt. Ausgerechnet in einem Convenience Store fand ich ein bezeichnendes Machwerk über Ausländer. „Die Geheimakte Ausländer-Verbrechen“ fragte: „Wie lange müssen wir Japan noch von den Fremden schänden lassen?“ Innen war das Magazin billig gemacht – das Layout zeigte grob ausgeschnittenen Fotos mit etwas Text dazwischen. Eine Seite schmückte das Bild eines Farbigen, der mit einem japanischen Mädchen die Straße entlangging. „Pfui, wofür sich die Mädels heutzutage hergeben!“, lautete eine Bildunterschrift. „Nigger! Hände weg vom Hintern der Japanerinnen!“

Der Verlag erhielt innerhalb der ersten Stunden so viele Klagen per Telefon und E-Mail, vor allem von Japanern, dass er die Veröffentlichung zurückzog. Als ich im Morgenfernsehen Frühstücksfernsehen davon hörte, konnte ich der Verkäuferin in meinem Convenience Store gerade noch ein Exemplar entreißen, bevor sie das Magazin aus dem Regel räumte.

Im gleichen Ordner meines Archivschranks hatte ich eine Ausgabe der Zeitschrift „Spa“ liegen. Zugegeben, kein Mensch konnte Spa wirklich ernst nehmen. Es fand sich zwar immer mal wieder ein Artikel dazwischen, an dem etwas stimmte. Die meisten Beiträge erfanden die Mitarbeiter jedoch frei. Die Überschrift lautete diesmal: „Der RIESEN-RADAU der MONSTER-AUSLÄNDER“.

„Sie steigen mit Body Soap in Vulkanquellen! Sie verprügeln Taxifahrer! Wir zeigen das wahre Bild: wie die ‚lieben Ausländer’ mit unserem gebeutelten Nippon in der Krise umgehen!“

Der Artikel hechelte alle Klischees durch. Franzosen waschen sich da in heiligen Quellen mit Seife, Afrikaner grapschen nach den Busen „unserer niedlichen Maids“ im Elektronikviertel Akihabara. Koreaner stellen Kimchi in den Hotelkühlschrank, so dass der Manager wegen des Gestanks einen neues Gerät anschaffen muss.
Klar. Schwarze = sexgierig. Koreaner = schmutzig.

Jetzt kamen die Amerikaner. Sie fotografierten in „Spa“ mit Blitz, wo ausdrückliche Verbotsschilder standen und latschten als Touristen ohNône jede Pietät mit der Kamera durch über Friedhöfe. Sie hielten Geishas für Prosituierte und fragten: „Wieviel?“

Amerikaner = kulturlos.

Spa schöpft in dem Artikel sogar ein neues Wort, „Monster-Gaijin“, und kürzt es ab zu „Monga“.

Die Chinesen kamen besonders schlecht weg, was bei der traditionellen Rivalität der beiden asiatischen Mächte kein Wunder war. Eine Prostituierte kam zu Wort und beschrieb detailliert, welche perversen Praktiken die Chinesen verlangten. „Das haben sie aus den japanischen Pornos“, wusste die Dame, deren Namen Spa verschwieg. Tatsächlich nannte das Magazin keinen einzigen Namen der Ankläger. „Ein Hotelmanager“, „ein Taxifahrer“.

Über Inder schmimpfte „eine Marktfrau“, dass diese immer so einen Lärm machen und störten.

Spa hechelte dann noch sämtliche Fälle durch, bei denen sich Ausländer in Japan in letzter Zeit daneben benommen hatten. Da das Fernsehen diese Begebenheiten jedes Mal groß gebracht hatte, musste der Journalist sie nur aus dem Gedächtnis aufschreiben. Mit Bild vertreten waren der Brite, der nackt im Burggraben vor dem Kaiserpalast schwimmen gegangen war und der Ausländer, der auf dem Sushi-Fischmarkt an einem Thunfisch geleckt hat.

„Wie viel muss sich ein friedliches Inselvolk gefallen lassen?“, fragte die Zeitschrift und kritisierte die nationale Tourismusbehörde für ihre Kampapgne „Visit Japan!“ Ja, mochte man da sagen – dann lassen wir Euch mit Euren Toyotas und dem Berg Fuji halt in Ruhe, und dann sehen wir mal, wie gut es Euch geht!

Dazu gab es jedoch keinen Grund. Ausländer waren in Japan in Wirklichkeit hoch willkommen. Spa hatte gelogen. Die Japaner freuten sich, wenn wir ihre Tempel so reichlich fotografierten wie sie selbst Neuschwanstein.

Einzige Ausnahme war vielleicht wirklich der Fischmarkt. Zwischen dem penibel sauber gehaltenen Frischfisch liefen in letzter Zeit für den Geschmack der Händler einfach viel zu viele ausländische Touristen durch. Sie hielten nicht nur den Verkehr auf, sondern gefährdenten auch die Hygiene des Sushi-Rohstoffs.

Comments (2)

GisbertApril 15th, 2010 at 23:04

Wie sieht denn eigentlich die Rechtslage in Japan bzgl. Volksverhetzung oder rassistischer Beleidigung aus? In D. könnte man einen Verlag der sowas publiziert belangen – zumindest wäre die rechtliche Grundlage dafür da. Ich denke mir solche Machwerke sind spiegeln genauso wenig die allgemeine Meinung/Einstellung der Japaner wider wie hier irgendwelcher Nazischund den es ja leider auch gibt. Das sowas überhaupt veröffentlicht und in Umlauf gebracht werden kann stimmt doch nachdenklich.

AntisozialistApril 30th, 2015 at 11:36

@Gisbert

Vielleicht gibt es in Japan, im Gegensatz zu Dland, Meinungsfreiheit?

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