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Arroganz der Amis

Auf einer Party am Wochenende erzählte einer der unvermeidlichen Amerikaner Anekdoten aus seiner Englischklasse. Japan war voll von Englischlehrern aus Amerika, weil der Staat diese in einem milliardenschweren Programm ohne Ansehen der Qualifikation importierte. „Obwohl ich verboten habe, Katakana-Silbenzeichen an den englischen Text anzufügen, hat ein Mädchen in seiner Klasse genau das gemacht!“, ereinferte sich ein John.
„Sie sollte vorlesen, und ich habe gleich gehört, dass alles nur Katakana sind. Da bin ich in der Klasse herumgegangen und habe mich hinter sie gestellt. Sie hatte in Wirklichkeit kein Wort verstanden und nur die Katakana abgelesen, die sie zuhausezu Hause fleißig über die westlichen Schriftzeichen geschrieben hatte!“
Na, der hatte er es aber gegeben.

Der zweite Englischlehrer auf meiner Party wurde plötzlich wach und aufmerksam. Jetzt waren die beiden in ihrem Element.

„Meine sagen immer ‚fine weather’ statt ‚nice weather’!“

„Ach, deine auch? Aber das schlimmste an meinen ist, dass sie sich nie von ihren auswendig gelernten Floskeln trennen. Die können gar nicht frei reden und schweigen dann nur lieb grinsend.“

So ging es weiter. Für Stunden.

Die ausländischen Gemeinschaft in Tokio wirkte wie besessen von den Englischkenntnissen der Japaner. In englischsprachigen Internetforen wucherten und blühten ganze Gebüsche von Gesprächsthemen dazu, waum die Japaner so schlecht Englisch sprechen und was die Regierung dagegen tun müsste. Wilde Theorien von einer genetischen Hemmung der Japaner bis hin zum schädlichen Einfluss der japanischen Silbenschrift Katakana wechselten sich ab. Auch die Leserbriefseite der Japan Times quoll über vor Zuschriften zu dem Thema.

Viele Ausländer arbeiteten hier in Firmen, spraechen aber kein Japanisch. Sie standen also ständig etwas ratolos vor einer Sprachbarriere. Auf unserer Party war so einer dabei, ein Deutscher, der für Akikos Unternehmen arbeitete. „In meiner Firma sprechen viele Japaner ganz gut Englisch“, sagte er. „Aber dann gibt es wiederum einige, die haben ziemliche Angst davor, in einem Meeting etwas laut auf Englisch zu sagen. Ich fühle mich manchmal nicht ganz wohl dabei, denn oft spricht die ganze Runde nur für mich Englisch.“
Japanern in qualifizierten Jobs konnten können nach meiner Erfahrung gut Englisch.

Die Klagen der Ausländer entspringen vielleicht der Verzweiflung. Ihr Gastland zeigte sich mit seinen Schriftzeichen und der umgedrehten Grammatik schrecklich unzugänglich. Diese ganzen Amerikaner, Europäer und Inder schieoben ihren Frust auf Japan und rächten sich, indem sie über das Englisch der Japaner lästerten.

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