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Falsche Japan-Ästhetik

Akiko betrachtete  die Japan-Kochbücher, die ich noch aus Deutschland mitgebracht hatte. „Die Bilder sehen irgendwie komisch aus“, sagte sie. „Soll das japanisches Essen sein?“ Mir leuchtete ein, dass sie sich wunderte. Die Rezepte in meinen deutschsprachigen Kochbüchern gingen alle am Geist des Originals vorbei. Eines davon teilte die Gerichte ernsthaft in Vorspeisen, Hauptgerichte und Desserts auf. So eine Trennung gibt es in Japan gar nicht. Die Japaner essen alles durcheinander. Die Kochbücher wollen, klar, erst einmal deutsche Erwartungen bedienen.  

Die Fotos zeigten zudem ein aufgemotzes Japan, so wie traditionelle Bühnenbilder für die Oper „Madame Butterfly“. Da lagen gezwirbelte Gemüsestreifen auf schwarz glänzenden Steingutplatten. „Was sollen dann das für komische Stäbchen sein“, sagte Akiko und zeigte auf ein Bild. Die Essstäbchen trugen allerlei Einlegearbeiten und Rillen in der Spitze. „Damit kann man doch gar nicht essen.“

Comments (2)

Ikuko Aman-EisheuerMarch 3rd, 2010 at 14:25

Ich grüße Sie recht herzlich aus Bayern!

Nun bin ich eine Japanerin und arbeite als Buchhändlerin in Bayern.
Nur zur Information….mittlerweile gibt es tolle Büchern von Harumi Kurihara in Deutsch, die ich gerne Japanfans hier verkaufe und bin selbst davon sehr begeistert.
Zeigen Sie es mal Akiko-San, was mache deutsche Verlag z. Z. daran bearbeite.
Ihr Buch ist total alte Aufmachung und schon ein bisschen peinlich, in Japan zu zeigen.

http://www.buch.de/shop/home/rubrikartikel/ID11366049.html?ProvID=271803

Mit besten Grüßen nach Tokio, wo ich studiert habe.

FinnApril 8th, 2010 at 10:12

Hallo Frau Aman-Eisheuer, danke für den Kommentar. Sie haben völlig Recht, die Bücher habe ich schon seit der Zeit vor meinem Japanologie-Studium, also vor 1995. Aber Sie wissen sicher, von was für einer Sorte Bücher ich rede?

Seit dem Auslandsstium in Japan benutze ich eigentlich nur noch Koch-Websites auf Japanisch, wenn ich ein Rezept suche. (Sorry, das Internet statt Papier zu benutzen ist nicht gut für Ihre Branche — und für meine auch nicht, schließlich bin ich Zeitungsjournalist –, aber es ist nun einmal irrsinnig praktisch, dort 海鮮鍋 oder 親子丼 einzugeben und zwischen vielen bewerteten Rezepten wählen zu können.) Eigentlich schleppe ich die “schlechten” Kochbücher nur noch zur Anschauung mit.

Finn

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