Google+ Peking Total » Blog Archive » Game Center

Game Center

In Japan begeisterten sich mehr Leute für Videospiele als sonst irgendwo auf der Welt. Trauben von Fans umlagerten die beliebteren der Apparate, wie die Kampfsport-Simulation „Eiserne Faust 6“ oder das Strategiespiel „Vermillion“. Zu Hause tauschten sie dann in Foren und auf Youtube die besten Strategien aus.  
Als ich mit einem Bekannten, Yusuke, in ein Game-Center ging, setzte ersich sofort an ein „Eiserne Faust 6“. Er steuerte mit Joystick und Drückknöpfen eine Phantasiefigur, einen Bären. Seine Figur Schlug nun mit realistischer Grafik einen Gegner zusammen in Gestalt eines zierlichen Schulmädchens in Matrosenuniform mit Rock.

 Plötzlich machte das Mädchen jedoch etwas ganz Schnelles, sie sprang hoch, blaue Energie blitzte und Yusukes Bär knallte geschlagen an die Wand. Ich brauchte ein wenig, bis ich verstand, dass der Gegner auch von einem Menschen gesteuert war, und zwar von dem Spieler an dem Bildschirm, der Rücken an Rücken zu seinem stand. Die Geräte waren vernetzt. Yusuke hatte vorher eine Chipkarte in einen Schlitz geschoben. Darauf war der Bär gespeichert. Er trug die Karte anscheinend immer in der Brieftasche mit sich. Ich ging um die Maschinen herum. Hinter dem Schulmädchen steckte ein unrasierter Typ Mitte vierzig mit Pickeln.
Wir ließen Yusuke mit seinem Vergnügen allein. Ich sah mich um. Der Aufwand für einige der Spiele war enorm. Für die Simulation von Pferderennställen gab es sieben Stationen für die Spieler mit jeweils einem tischähnlichen Flachbildschirm, an dem sie ihre Rösser managten. Die simulierten Rennen liefen dann auf einer Riesenrückprojektionsleinwand vor aller Augen ab. Auch hier identifizierten sich die Spieler mit einer Datenkarte bei dem Videospiel. Sie machten mit ihren Pferden da weiter, wo sie beim vorigen Mal aufgehört hatten.
Akiko erklärte mir bei anderer Gelegenheit die Münzschieber. Ein prächtiges Exemplar stand als sechseckiger Glaskästen von der Größe eines Minibusses vor uns. Rundum waren Sitze angebracht, von denen aus die Benutzer in den Kasten starrten. Für 1000 Yen kaufte ich 10 Medaillen, also runde Spielchips. In dem Gerät schoben sich – elektrisch getrieben – Stufen hin und her, auf denen sich solche Medaillen sammelten. Ich musste nun über zwei schmale Metallarme Münzen auf diese Schubladen fallen lassen.

Diese Arme ragten in das Gerät hinein wie Manipulatoren für Plutonium in einer Wiederaufbereitungsanlage. Außen waren Einwurfschlitze angebracht.
Wenn sich auf einer Stufe viele Medaillen sammelten, dann rutschen sie irgendwann bei einer Bewegung der Stufe eine Etage tiefer. Plötzlich ergoss sich eine ganz Lawine. Hunderte von Münzen rutschten aus einem Fach in meine Plastikbox. Das gerät dudelte, blinkte und jodelte dabei. Die anderen Spieler guckten neidisch zu mir rüber. „Anfängerglück“, sagte Akiko.
„Guck mal, der Ausländer hat ganz viele Medaillen gekriegt“, sagte ein Junge im Grundschulalter, der gegenüber vom Schoß seiner Mutter aus spielte. „Ob das gute Erziehung ist?“, sagte Akiko laut genug, dass die Mutter es hören konnte.
Die Medaillen ließen sich in diesem Laden nicht in Geld zurücktauschen. Ich gab sie Yusuke, der sie an eine Pachinko-Maschine verfütterte und den Rest an einem Automaten auf sein Medaillenkonto einzahlte. „Mit meinem Fingerabdruck kann ich die aufgehobenen Chips beim nächsten Besuch von der Spielbank zurückbekommen“, erklärte er. High-Tech auch hier.

Los, schreib' einen Kommentar!

Dein Kommentar