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Rechte Gesinnung

Manchmal holte mich auch in Fukui die deutsche Vergangenheit ein. Nach einer der Grilltouren landeten wir beim Freund eines Freundes zuhausezu Hause in seinem Jugendzimmer – die meisten Studenten der Uni Fukui wohnen nicht in im Wohnheim, sondern bei den Eltern. An der Wand hing eine riesige japanische Reichskriegsfahne. Sie unterschied sich von der normalen Landesfahne durch die Strahlen, die von der roten Sonne bis zum Rand der weißen Fläche ausgingen. Der Junge hatte außerdem Kriegsschiffmodellen herumstehen. Kampfflugzeugzeuge hingen an Angelleinen von der Decke.
Er bestand ohne große Überleitung darauf, mir seine Bildbände über die glorreiche deutsch-japanische Freundschaft in der Geschichte zu zeigen und fing mit den Bänden zur Kriegsstrategie an. „Damals, als Verbündete, da waren wir stark“, schwärmte er. „Wir haben den Amis so richtig eingeheizt.“ Ich reagierte höflich und ausweichend.
So etwas ähnliches war mir mit einem Studenten passiert, den ich an Joshuas Krankenbett getroffen hatte. Joshua hatte ihn unabhängig von unserer Freundessuche irgendwie aufgetan. Ich nahm ihn mit dem Auto zurück in die Stadt, weil das Krankenhaus eine Stunde entfernt mitten in Reisfeldern lag. Wir gingen noch einen Kaffee trinken, wobei er sich noch ganz normal verhielt. Als wir uns später noch mal in einer Bar trafen und er genug Alkohol getrunken hatte, zeigte mein neuer Bekannter sein wahres Gesicht. Deutschland und Japan verbinde ja eine besondere Gemeinsamkeit, raunte er. Ja, sagte ich neutral.
Die Jugend habe heutzutage den Sinn für Ehre vergessen, fuhr er fort. Ich nickte über meinem Bier bedeutungsschwer vor mich hin und machte Laute des Erstaunens, die Zweifel, aber auch Zustimmung heißen konnten. Japan sei ein Vasall der Amerikaner. „Aber da kann man nichts machen“, seufzte er.
„Frauen sollten wieder fürsorgliche Mütter und Unterstützter der Männer sein“, erläuterte er weiter. Die Emanzipation könne er nicht billigen.
„Der zweite Weltkrieg war ein Fehler“, fing ich dann doch irgendwann an. „Ja, ja“, stimmt er zu. „Wir hätten selbst die Atombombe entwickeln sollen und dann erst angreifen sollen.“ Die Verbundenheit mit der Natur und den Wäldern sei eine weitere Gemeinsamkeit, die uns von den oberflächlichen Amerikanern abhebe.
„Weißt du, wir Deutschen sind eigentlich ganz froh, den Krieg verloren zu haben und sehen die Naziherrschaft als durch und durch falschen Irrweg an.“
„Oh“, sagte er. Wir tranken den Rest unseres Bieres schweigend und sahen uns nie wieder.

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