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Sand unter Tatami

Übrigens benahm ich mich an dem Abend, als ich das christliche Mädchen beleidigte, noch weit daneben.
Für die Nacht hatte mir der Gastgeber ein eigenes Zimmer gebeben. Eine nett gemeinte Diskriminierung aus meiner Sicht. Denn die Japaner schliefen alle nebeneinander auf den großen Tatami-Flächen im Haupthaus. Dass ich alleine war, gab mir auch die Möglichkeit, in eine peinliche Lage zu geraten. Als ich meine Bade-Shorts aus dem Handtuch ausrollte, rieselten mir kleine Steinchen entgegen. Am Strand in den Wellen hatte sich das innere Futter der Shorts mit Sand gefüllt. Mir kam mir eine glänzende Idee, was ich mit dem Sand machen könnte. Ich hob eine Tatami-Matte vom Boden an und schüttete den Sand darunter.


Da war mir nicht klar, wie präzise diese Matten auf den Holzboden eingepasst waren. Die Tatami-Matte stand nun krumm hervor, was schon von der Schiebetür her so richtig auffiel. Außerdem erinnerte ich mich jetzt daran, dass Tatami von unten auf gar keinen Fall feucht werden dürfen. Sie schimmeln sonst. Ich hob die Matte also wieder an und schaufelte den Sand so gut es ging auf das Handtuch. Den Rest versuchte ich so zu verteilen, dass er sich flach machte. Vergeblich. Die Matte stand immer noch krumm.

Jetzt hatte ich die wunderbare Gastfreundschaft vergolten, indem ich die Tatami ruiniert hatte. Ich beschloss, das Problem auf japanische Weise zu lösen: ignorieren und schamhaft verschweigen. Richtiger wäre es vermutlich gewesen, sich zu entschuldigen und um einen Staubsauger zu bitten. Ich rollte erst mal meinen Futon aus, deckte das Laken darüber und schlief. Am nächsten Tag leerte ich bloß den Sand aus dem Handtuch aus .

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