Google+ Peking Total » Blog Archive » Kenjis Deutschlandbild II

Kenjis Deutschlandbild II

Kenji erzählte mir weiter davon, wie er Deutschland wahrgenommen hatte. Weil wir Bier vor uns stehen hatten, kamen wir auf die teutonischen Trinkgewohnheiten. „Wenn die Leute schon in der Mittagspause Bier trinken, ist es kein Wunder, dass sie so viel Erholung brauchen“, sagte Kenji. Er war zwei Tage in in München gewesen. „Außerdem gibt es überall nur dieses viele Fleisch. Anfangs gibt das einen gewissen Kick, aber irgendwann wurde mir nur noch schlecht.“
 „Das Essen in Deutschland hat sich total verändert. Es ist leichter, frischer und mediterraner geworden. Der beliebteste Snack ist inzwischen dieses türkische Gericht, Fleischstreifen mit Salat in einer Brottasche mit Joghurtsauce“, widersprach ich.

„Du meinst Döner? Diese stinkenden Läden mit dem Berg Fleisch auf einem Spieß?“

Ich hielt es für angebracht, das Thema zu wechseln. Eine Niederlage drohte für das Team Deutschland. „Und wie war es sonst so?“

Kenji überlegte kurz. „Die Deutschen klingen immer so, als ob sie sich gerade streiten. Ich habe eine Weile gebraucht, um herauszukriegen, dass sie sich oft ganz normal unterhalten. Aber erst dachte ich, dass sie sich alle an die Gurgel gehen.“

Das hatte ich schon mal gehört. Mit meiner Mutter auf Japanbesuch war ich beim kleinen Restaurant in der nächsten Seitenstraße gewesen. Die resolute Wirtin nahm mich hinterher beiseite. Sie fragte auf Japanisch erschrocken: „Warum hattest Du denn die schlimme Auseinandersetzung mit Deiner Mutter? Ich hoffe, sie mochte das Essen?“ Nein, beruhigte ich sie, ich hätte mich mit meiner Mutter ganz normal unterhalten, wie immer. „Bei euch geht es ja rau zu“, sagte sie.

Kenji hatte auf seiner Reise in einer Kneipe neben einem Paar gesessen, das vermutlich eine ganz normale Unterhaltung führte. Doch Kenji hatte erst gedacht, sie ständen kurz vor der Scheidung: „Der Mann schmipfte anscheinend ununterbrochen und stieß mit dem spitzen Zeigefinger auf die Tischplatte. Aber dann sah es wieder so aus, als ob bei den beiden alles in Ordnung sei. Ruth sagte mir dann, dass sie sich bloß über Politik unterhalten haben.“

„Und wie hat Ruth sich so die ganze Zeit benommen?“

„Oh, mit ihren Eltern hat sie sich die ganze Zeit genzankt. Glaubte ich zumindest. Zwischendurch dachte ich schon, es läge an mir, dass ihnen ein Japaner als Boyfriend nicht recht sei.“
„Kenji, das kann ich mir absolut nicht vorstellen. Deutsch klingt bloß so.“

„Das sind dann wohl die Wohltaten der kulturellen Unterschiede“, murmelte er.

Comments (2)

Harald SchührerOctober 14th, 2010 at 13:57

Japanbild der Deutschen
(aus Sicht eines Kampfsportlers Ü 40 Jahr)

Japan das gelobte Land der Kampfkünste.
Gründer, Erfinder, Bewahrer der hohen Künste: Judo, Karate, Aikido, Kendo, Kyudo, Iaido….. (zmindest Judo ist olymische Disziplin)

Man sollte glauben daß man in Japan zu bestimmten Urzeiten “massenhaft” Leute jeden Alters, mit oder in Trainingsausrüstung über die Strßen flitzen sehen sollte.
OK bei uns klappern auch nicht andauernd die Fußballschuhe durch die Gassen….

Wie ist der Stellenwert, Verbreitungsgrad im modernen Japan in den Metropolen und auf den Land?

LukasMay 29th, 2015 at 11:33

Man könnte meinen Ruth habe deinem Freund Kenji nur die schlechten Seiten Deutschlands gezeigt. Vielleicht hätte sie ihn doch durch ein paar kitschige Kleinstädte und Schlösser schleifen sollen! :D

Los, schreib' einen Kommentar!

Dein Kommentar