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Kenjis Deutschlandbild I

Mein alter Freund Kenji überstand seine Deutschlandreise zwar ohne tiefes Trauma, seine Erzählungen zeigten mir aber, was für eine fremde Welt Deutschland für Japaner war. Nach seiner Rückkehr ließ ich mir erzählen, wie es war. Erst lobte er Deutschland höflich. Das dauerte etwa eine Dreiviertelstunde. Dann hatten wir einige Bier getrunken, und ich konnte zum Kern der Sache vorstoßen. „Wie war es wirklich?“
„Es gibt keine Convenience Stores!“, sagte er.

Das musste auch Japaner wahrhaftig schrecklich wirken. In Deutschland fehlt der allgegenwärtige Bezugspunkt, das Netz verlässlicher Zufluchtsorte, das ganz Japan überspannte. „Du hattest Glück, nicht im Jahr 1989 gefahren zu sein. Dann hätten noch alle Läden um halb sieben dichtgemacht.“

„Wir haben gar keine ethnischen Gruppen in Lederhosen gesehen“, klagte er. Ich nickte verständnisvoll. Die kannte ich selbst schließlich auch nur aus dem Fernsehen. „Und Ruth hat mich nicht nach Neuschwanstein gelassen. Dafür waren in einem der schlechteren Stadtviertel in Hamburg, das war echt hart. Ich habe gesehen, wie sich ein Drogensüchter auf einer Treppe eine Spritze gegeben hat!“
„Was du nicht sagst.“

„Aber ich muss schon sagen, ihr Deutschen habt ein Problem mit dem Körpergeruch. Volle S-Banwagen können bei euch ganz schön muffig werden.“

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