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Kawayu und Akanko

Ein japanischer Freund schlug mir vor, am Wochenende für zwei Tage auf die Nordinsel Hokkaido in Badeorte zu fahren. Da wusste ich noch nicht, dass mir eine Reise in die Vergangenheit bevorstand. cimg6068

Die erste Nacht blieben wir in Kawayu, das bedeutet „Heißfluss“. Seit einigen hundert Jahren sprudelt dort schwefeliges Wasser mit 80 Grad Temperatur aus dem Boden. An der Quelle nisten einige Hotels im japanischen Stil. In dem Ort gibt es ansonsten nur einige Straßen mit Souvenirgeschäften. Wir blieben im „Mori no yu Kitafukurô Hotel“.

Die heiße Quelle war toll. Zwar juckte mir hinterher immer die Haut von dem salzigen Vulkanwasser. Doch das Außenbad lag hinter dem Haus praktisch in einem Birkenwäldchen. Schneeregen fiel auf das kleine Reetdach über dem heißen Bad. Vor mir platsche ein Vorhang aus schweren Tropen in das heiße Schwefelwasser, dahinter wirbelten weiße Flocken zwischen den Birken. Die Luft war schneidend kalt, doch ich hockte bis zum Kinn im dampfend heißen Bad.

Zu hören war nur das Plätschern des dampfend heißen Wassers und hin und wieder ein Knacken aus dem Gehölz. (Auf Hokkaido gibt es Bären, Füchse und Wildschweine.) Nach Monaten im hektischen Tokio war das die totale Entspannung.

 

Japaner waschen sich vor dem Baden gründlich und steigen dann alle zusammen ins gleiche Wasser. Derzeit ist jedoch keine Saison, und zweimal hockte ich alleine in dem Bad aus dunklem Holz. Ich blieb dann sitzen, bis meine Haut schrumpelig wurde. Wenn mir das Wasser mit seinen etwa 40 Grad zu heiß wurde, setzte ich mich auf den Rand und kühlte in den frostkalten Luft ab.

Doch bemerkenswert wurde der Ausflug erst am nächsten Tag, als wir zum nahen Vulkan fuhren. Dort kommt das heiße Wasser her, das als Grundwasser bis Kawayu unterirdisch weiterfließt.

Der Iô-san sah schon aus der Ferne irgendwie bekannt aus. Als wir dann an die Schlucht kamen, wo Schwefeldampf zwischen Felsen wie aus einem Marsfilm aufsteigt, fiel es mir ein. Vor elf Jahren war ich hier schon gewesen. Mit meinen Freunden Carsten und Yayoi, einem japanisch-deutschen Ehepaar.

Wieder zurück in Tokio kramte ich die Fotos von damals heraus. Hier ist also der Vergleich im Abstand von elf Jahren.

1998

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2009

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Comments (3)

regokunJanuary 18th, 2010 at 03:25

Interessanter Artikel!
Aber ein Foto von “dem Bad aus dunklem Holz” hast du nicht gemacht?

FinnJanuary 18th, 2010 at 16:50

@rego: Im Badebereich ist knipsen so ein bisschen verpönt. Sind ja alle nackt da.

regokunJanuary 18th, 2010 at 23:55

^^ stimmt, aber hört sich auch wörtliche beschrieben verlockend an, habs gleich mal auf meine todo Liste gesetzt =)

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