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Taifun

Heute fegte ein heftiger Wirbelsturm über Japan hinweg. Diese Taifune sind eigentlich genau dasselbe wie die Zyklone in der Karibik, von denen besonders “Katrina” dafür berühmt geworden ist, New Orleans überschwemmt und das Image George Bushs als Macher ruiniert zu haben. Der Unterschied zwischen Amerika und Japan ist jedoch: Die Japaner wissen, wie mit schlechtem Wetter umzugehen ist.

Bei diesen Wirbelstürmen regnet es enorm. Es regnet so viel, dass man sich das als Deutscher erstmal gar nicht vorstellen kann. Heute kamen in der Nähe von Tokio 83 Millimeter Regen in einer Stunde herunter, im Süden Japans waren es zeitweilig über 200 Millimeter. Das sind Werte, die deutsche Metereologen ihr Leben lang nicht vermelden müssen. Starkregen, das sind in Deutschland 17 Millimeter, bei 30 Millimeter stehen die Keller unter Wasser.

Da, wo ich wohne, regnete es glücklicherweise nicht so heftig, nur acht Millimeter zeigte die Wetterwebsite. Auch der Wind war im inneren Tokios bei weitem nicht so heftig wie bloß 150 Kilometer weiter nördlich. Dort fegte eine Windhose durch eine Ortschaft. Sie riss einem Haus die Seitenwand ab. Im zerklüfteten japanischen Bergland treffen bei Taifun manchmal umgeleitete Winde aus vier Richtungen aufeinander. Dort entstehen dann diese Windhosen.

In Tokio blieb dagegen hauptsächlich der Verkehr stehen. Sämtliche oberirdischen Nahverkehrslinien stoppten, weil sich Äste und andere Gegenstände in den Oberleitungen verfingen. An einigen Stellen kippten auch die Masten, die die Leitungen halten. Millionen von Fahrgästen saßen fest. Wirklich, buchstäblich Millionen. In Tokio warteten heute mehr Leute an Bahnhöfen, als Berlin Einwohner hat.

Ich hatte Glück. Bis ich um halb zehn Uhr aus dem Haus musste, war der schlimmste Regen vorbei, es blieb nur der heftige Wind. Bis zu meinem Ziel schaffte ich es mit der U-Bahn, die zwar überfüllt war, aber immerhin fuhr. Erst auf dem Rückweg entging ich knapp einer Beule, als der Wind ein Plastikteil dicht an meinem Kopf vorbeiwehte. Es war etwa einen halben Meter lang und sah ziemlich massiv aus.

In meinem Wohnzimmer steht jetzt noch alles herum, was sonst auf dem Balkon steht: Ein Blumenkübel, Topfpflanzen, der Besen, eine Wäschestange. Der Hausmeister hatte gestern auch dazu aufgerufen, die Abflüsse am Balkon zu checken. Sonst könnte er bei Taifun leicht zur Badewanne werden.

Grundsätzlich hat sich Japan jedoch erneut ziemlich wetterfest gezeigt. Die Dämme haben gehalten, und kam dass der Sturm durch war, fuhren die Züge wieder an – schon auf meinem Rückweg am Nachmittag hatte sich die Lage normalisiert.

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Das beste am Taifun ist das schöne Wetter danach. Wenn ein Sturmtief vorbeigezogen ist, wird die Luft glasklar und die Sonne kommt heraus.

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