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Brief an Chinas Japan-Hasser

Liebe Chinesen, die ihr jetzt vor der japanischen Botschaft demonstriert und japanische Fahnen verbrennt,

die jüngsten Spannungen zwischen China und Japan enttäuschen mich. Ich kenne und mag beide Länder – ich habe in beiden gelebt – und finde das Verhalten beider Seiten kindisch und gefährlich. Als Außenstehender möchte ich daher einige Worte zu diesem Thema sagen.

Es war eine unnötige Provokation von Japan, die Diaoyu-Insel zu kaufen. Dieser Akt war unweise und kam zur völlig falschen Zeit.

Noch weniger weise erscheien mir aber die chinesischen Reaktionen. Ein japanischer Restaurantwirt in der Nähe meines Wohnorts sagte mir bereits, er habe nicht nur Angst um sein Geschäft, sondern auch um seine Sicherheit.

In Europa haben wir es in der Vergangenheit mit Fremdenfeindlichkeit und Kriegstreiberei versucht. Die eindeutige Lehre daraus war: Es ist der falsche Weg. Heute mögen wir zwar nicht in der Lage sein, unsere Währung richtig zu organisieren. Aber mit blutigem Gebietsstreit haben wir aufgehört.

Das Gegenargument lautet nun oft: dann soll sich Japan doch endlich von Herzen entschuldigen, so wie Deutschland es bei Polen gemacht hat. Es stimmt, Japan könnte hier deutlichere Worte finden. Aber ist das die Vorbedingung für Frieden und Zusammenarbeit zwischen den Völkern?

Eine so alte Kultur, ein so wichtiges Land wie China sollte über ein so niedriges Gefühl wie Hass auf ein Nachbarland erhaben sein. Patriotismus ist gut und richtig, aber Nationalismus ist ein billiger Weg, sich ohne Eigenleistung groß zu fühlen. China ist doch bereits in jeder Hinsicht groß – geistig, wie von der Fläche her.

Ich persönlich habe China immer für seine Kulturleistungen geschätzt und tief respektiert. Nun hoffe ich, dass in jedem Chinesen ein Stück seiner bewundernswerten Geistesgeschichte weiterlebt.

Finn Mayer-Kuckuk, deutscher Journalist

Comments (4)

Nikki-PekingSeptember 17th, 2012 at 05:15

Ich stimme Finn zu. China hatte in größten Teil der Geschichte eine viel höhere Entwicklungsstufe als beispielsweise Deutschland. Ich hoffe, es wird auch heute diesem Anspruch gerecht.

SisiSeptember 17th, 2012 at 16:00

Na klarl.Die Weise, die manche Chinesen von diesen Tagen gemcht haben, finden wir ja auch schleicht. Ich bin Chinesin. Aber ich muss mal sage, die Eigenleistung vom Insel muessen wir haben. Das ist doch prinzipiell. Sonst werden die anderen Nachbarn auch versuchen, mehr Bereich von China zu bekommen. Sie haben bestimmt schon viele gesehen, dass viele Nachbern immer sagen, z.B. Nanhai gehoert zu ihnen usw. Das ist doch Quatsch!!!

XinyunSeptember 17th, 2012 at 16:59

Dabei bin ich zwar der gleicher Meinung, aber ich möchte mal drauf hinweisen, dass das Verhalten einiger Extremisten der chinesischen Völkern nicht repräsentiv ist. Im Internet (vor allem Weibo) finden die meisten Leuten diese gewaltigen Proteste lächerlich und sogar beschämmend. Im heutigen China ist die Denkweisen zwischen verschiedenen Schichten schon ganz unterschiedlich.

MisungOctober 6th, 2012 at 16:42

Ein toller Brief mit einer ehrlichen Meinung! Ich finde China in dieser Hinsicht auch sehr respektlos, aber manche Chinesen machen einfach mit, obwohl sie von der Lage wenig verstehen. Mainstream. Japans Reaktion finde ich schon um einiges vernünftiger, im eigenem Land haben sie noch Respekt vor chinesischen Restaurants und beschädigen nichts. Das liegt auch ein der Mentalität der Japaner, dass sie anders handeln als die Chinesen. Aber wie Finn meint, denke ich auch, dass die Chinesen hier sich ehrenhafter verhalten sollten. Und außerdem was geht es den Menschen in China an, was mit den Inseln ist, auf denen sie niemals Fuß fassen werden, außer die Politik?

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