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Brave Kinder durch Moralerziehung

grundschulkinder-bei-der-gymnastikDie chinesischen Kommunisten selbst sind Mitte des vorigen Jahrhunderts durch Revolution und mit Waffengewalt an die Macht gekommen. Sie hatten einen aufständischen Geist und wollten die gesellschaftlichen Verhältnisse umwälzen. Ihre Kinder und Enkel in den Führungspositionen von Staat und Partei wünschen sich ihre Mitbürger jedoch ganz anders: brav, harmlos und angepasst. Das zeigt sich auch in den neuesten Ideen für die ethische Erziehung der Chinesen.

Die staatsnahe China National Association for Ethical Studies hat einen Fünfjahresplan für die Heranbildung einer Million “pflichtbewusster Kinder” vorgelegt. Er sieht unter anderem vor, schon den Kleinsten zu vermitteln, dass sie sich an alle Regeln halten müssen, die ihnen der Vater, die Lehrer, der Staat und all die anderen Autoritäten vorsetzen.

Einerseits erscheint das  erst einmal nicht ungewöhnlich. Kommunismus hin oder her: In China wirkt immer noch der Einfluss eines Staatskonfuzianismus’ nach, der untertäniges Verhalten und braves Wiederholen alter Lehren betont.

Doch ein bisschen wundert der vorgeschlagene Lehrplan einen dann doch in einem Land, das offiziell von der Kommunistischen Partei beherrscht wird. Die 4- bis 6-jährigen Kinder sollen die alten Philosophen Konfuzius und Menzius lesen und auf “kindliche Ehrerbietung” gedrillt werden.

Ich persönlich empfinde größte Verehrung für Konfuzius als Philosophen. (In Wirklichkeit sagt er, die Leute sollen selber denken, und der Mann, der aus den “Analakten” spricht, war ein witziger Geist.) Doch die Idee, Kinder mit pseudokonfuzianischer Ideologie zum Stillhalten zu erziehen, das ist genau das, wogegen die Generation Mao gekämpft hat.

Es kommt halt alles wieder.

Hintergrund ist übrigens auch eine breite Debatte in der chinesischen Gesellschaft über Werte. Nachdem sich immer mehr Beispiele für hilfloses, kaltherziges und verwirrtes Verhalten zeigen, wollen sich die Chinesen jetzt – knapp 40 Jahre nach Beginn der Kulturrevolution – wieder auf ihre Kultur besinnen. Sie wissen bloß nicht, wo sie anknüpfen sollen. Da kommt dann sowas raus.

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