Google+ Peking Total » Blog Archive » Schiefe Nahrungspyramide

Schiefe Nahrungspyramide

 
Als Anhänger japanische Essgewohnheiten finde ich die gängigen Nahrungspyramiden in Europa und Amerika etwas seltsam.

 „Sechs Portionen Obst“ – „Fünf Portionen Gemüse“ – „Drei Portionen Brot, Reis oder Nudeln“ – „Zwei Portionen Fisch, Fleisch oder Geflügel“ – „Zwei Portionen Milch“. Das sind ja schon 18 Portionen. An nur einem Tag. Im Vergleich zu Japan weist das auf wahnsinne Nahrungsmengen hin.

 Die meisten Japaner, die ich kenne, essen morgens eine Kleinigkeit zum Frühstück, beispielsweise einen Toast mit einer kleinen Scheibe gekochtem Schinken oder eine Schale Reis und eine Suppe. Mittags essen sie beispielsweise eine Nudelsuppe und ein paar Teigtäschchen.

 Zum Abendessen gibt es typischerweise die Möglichkeit, mit Freunden essen zu gehen. Dann stehen auf dem Tisch zahllose kleine Teller mit Leckereien, und jeder nimmt sich von allem etwas – insgesamt aber nicht allzu viel. Das wären also ein bisschen Tofu, ein paar Pilze, etwas Salat, ein kleiner Hühnerspieß, etwas rohen Fisch.

 

Wer alleine isst, nimmt sich oft im Convenience Store eine Essenspackung mit. Beispielsweise Reis mit Fisch und etwas Gemüse.

 Das bedeutet also: Drei Portionen „Brot, Reis, Nudeln“, und, naja, etwa zwei Portionen Gemüse und Fisch oder Fleisch. Sind etwa fünf Portionen.

 Es kann mir keiner sagen, dass die Japaner damit ungesund leben – schließlich werden sie älter die meisten anderen Ethnien.

 Dass Japan kein Problem mit dem Übergewicht hat, liegt meiner Ansicht nach daran, dass sie weniger essen. Es liegt nicht am was, sondern am wieviel. Japaner essen gern Fleisch. Sie gehen gemeinsam zum „Yakiniku“ und grillen dort dünne Fleischscheiben am Tisch. Beliebte Gericht sind etwas Oyako-don mit Huhn und Ei oder Tonkatsu – das ist nichts anderes als ein paniertes Schweineschnitzel. Aber Japaner essen sich nicht so gnadenlos an Riesenmengen pappsatt wie Deutsche (oder Amerikaner oder Briten).

 Viele Abnehmtipps auf deutschen Websites, in Büchern und in Magazinen, laufen darauf hinaus, irgendetwas anderes zu essen. Trennkost etwa, oder mehr Gemüse. Ist denn keiner je auf die Idee gekommen, es einfach so zu machen wie die Japaner – und nicht so gierig zu schlingen, sondern ganz langsam nur so viel zu essen, dass man keinen Hunger mehr hat? Also: einfach weniger zu essen?

Comments (1)

GuzDecember 8th, 2009 at 01:27

Da kann ich dir nur Recht geben! Definitiv!!!
Ich hab 2 Wochen in Tokyo just for fun verbracht und das ist mir wirklich extrem aufgefallen. Auch die Portionen sind dort kleiner.

Los, schreib' einen Kommentar!

Dein Kommentar